Newsletter  Kontakt Drucken Schriftgröße A A A  English English

OÖ WASSER Nachrichten

 

19.12.11 00:00

Brief des Obmannes OÖ WASSER - 2011

Es ist Zeit Bilanz zu ziehen

Das von der EU ausgerufene „Jahr der Ehrenamtlichkeit“ geht in seine Endrunde.

Was hat es uns ehrenamtlich engagierten Wassergenossenschaftern gebracht?

Während andere Organisationen wiederholt von den Politikern aller Couleurs vor den Vorhang geholt wurden, hat man OÖ WASSER ab Herbst 2010 wieder einmal einem Reformprojekt unterworfen. Mit dem Ziel die „wirtschaftlichste Organisationsform“ für OÖ WASSER zu suchen ist man angetreten. Herausgekommen ist ein Vorschlag, welcher, wenn er so umgesetzt wird wie beschrieben, enorme zusätzliche Belastungen für die Wassergenossenschaften bringen wird.

Mit einer argumentativ gut untermauerten Stellungnahme haben wir zumindest erreicht, dass das Projekt jetzt in eine Nachdenkrunde geht.

Herauskristallisiert hat sich aber auch, dass viele Menschen, insbesondere jene die aus dem städtischen Milieu kommen, ein vollkommen falsches Bild von den Wassergenossenschaften haben. Von den oft günstigeren Wasserpreisen pro Kubikmeter wird weitverbreitet abgeleitet, dass die Genossenschaften und damit ihre Mitglieder bevorzugt werden.

Wir als Genossenschafter sind an diesem falschen Bild nicht ganz unschuldig!

 

In vielen Diskussionen, am Stammtisch usw. sind es auch wir, die bei Vergleichen mit anderen Versorgern den günstigen Wasserpreis hervorheben. Trotz besseren Wissens verschweigen wir die Leistungen die die ehrenamtlichen Funktionäre, aber auch das eine oder andere Mitglied, erbringen. Würden wir diese Leistungen mit Marktpreisen bewerten (mit Stundenlöhnen wie sie von einer Gemeinde oder Stadt in den wirtschaftlichen Gunstlagen bezahlt werden müssen), müssten wir unseren Ehrenamtlichen Urlaub, Krankenstand, die Altersvorsorge bezahlen, müssten wir einen Dienstwagen oder ein Büro vorhalten, so könnte sehr rasch herauskommen, dass das Genossenschaftswasser nicht günstiger, sondern möglicherweise teurer kommt.

 

Völlig außer Acht gelassen wird, dass im urbanen und kommunalen Bereich mit dem Wasserpreis ein Fullservice bezahlt wird. Das Wasser kommt aus dem Wasserhahn und das Abwasser verschwindet im Abfluss. Als Kunde braucht man sich um nichts weiter zu kümmern.

Auch die Reduktion von Diskussionen auf den reinen Kubikmeterpreis deckt das Thema nicht ab. Oftmals sind parallel dazu höhere Grundpauschalen zu leisten oder es sind, resultierend aus der geringeren Anschlussdichte im ländlichen Raum, die Anschlussgebühr und Anschlusskosten wesentlich höher.

 

Schaut man genau hin, so ist die Wasserver- und –entsorgung auf dem Land doch sehr vielschichtig und erschwert. Viele Bereiche könnten durch die Kommunen aus Kostengründen gar nicht aufgeschlossen und besiedelt werden. Da sind engagierte Bürger und Bürgerinnen gefordert, diese Daseinsvorsorge selbst in die Hand zu nehmen und viele Stunden ihrer Freizeit einzusetzen um zeitgemäße Lebensbedingungen zu garantieren.

Es liegt also auch an uns dieses Bild zurecht zu rücken!

 

Im Fokus der Kritik liegen speziell auch die Entwässerungsgenossenschaften.

Natürlich dienen Entwässerungsanlagen auch der landwirtschaftlichen Produktionssicherung. Schaut man sich aber die Kleinstrukturiertheit der betroffenen agrarischen Betriebe an, so erkennt man sehr rasch, dass diese Anlagen nicht im Sinne einer Gewinnmaximierung sondern in den überwiegenden Fällen als Existenzsicherung für bäuerliche Familien einzuordnen sind. So ging ua. durch den Bau von Autobahnen (liegt im öffentlichen Interesse) wertvoller landwirtschaftlicher Grund für immer verloren. Durch Entwässerungsanlagen wurden zum Teil Ersatzflächen als Lebensgrundlage für die Bauern geschaffen, welche heute Instand gehalten werden müssen.

Auch muss man die übergeordneten Interessen des Bodenwasserhaushalts z.B. Hangstabilisierungen zur Verhinderung von Rutschungen, geordnete und retendierte Wasserableitung aus öffentlichen Bereichen wahrnehmen.

 

Noch erfüllen die Wassergenossenschaften, sei es in der Versorgung, sei es bei der Abwasserentsorgung oder bei den Be- und Entwässerungsgenossenschaften ihre Aufgaben vorbildlich und, obwohl großteils engagierte Amateure am Werk sind, überaus professionell. Dazu braucht es aber auch weiterhin eine übergeordnete Hilfe wie sie die Dienststelle Oö. Wasser leistet.

Langfristig wird es sich also lohnen über alles das nachzudenken. So gesehen ist die eingeschaltete Nachdenkrunde sehr wichtig.

Zu lange dauern sollte sie aber nicht.

 

Im „Jahr der Ehrenamtlichkeit“ 2011 bangen die „Freiwilligen" bei den Wassergenossenschaften um die existenzielle Unterstützung durch das Land Oberösterreich. Das soll sich 2012 im von der UNO proklamierten „Jahr der Genossenschaften“ nicht endlos weiter fortsetzen.

Will man das Potential der Ehrenamtlichen in der Daseinsvorsorge nutzen, dann muss man sich auch zu den Wassergenossenschaften nachhaltig bekennen!

 

Es geht um eine tragfähige Lösung für die Wassergenossenschaften, für ihre freiwilligen Funktionäre und für ihre tausende Mitglieder, für die OÖ Bürger und Bürgerinnen zur Sicherung der Wasserwirtschaft und Daseinsvorsorge im ländlichen Raum. Bis zur Generalversammlung des OÖ WASSER Genossenschaftsverbandes im April  2012 sollte durch die Verantwortlichen des Landes Oberösterreich, der 65jährigen Erfolgsgeschichte folgend, eine gesicherte weitere Zukunft festgelegt sein.

 

In diesem Sinne wünsche ich allen „Wasserern“ ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest und ein erfolgreiches Wirken im kommenden neuen Jahr und verbleibe

mit genossenschaftlichen Grüßen

 

Konsulent Werner Sams

Obmann OÖ Wasser



« zum Newsarchiv

Trenner