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OÖ WASSER Nachrichten

 

29.03.11 00:00

Ehrensache – EU-Jahr der Freiwilligenarbeit 2011


Der Stellenwert der „Ehrenamtlichen“ für eine Gesellschaft kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden und daher wurde bereits vor 25 Jahren von der UNO-Generalversammlung der 5. Dezember als der "Internationale Tag der Freiwilligen" ins Leben gerufen.
Es ist daher sehr zu begrüßen, dass die Europäische Kommission das Jahr 2011 zum "Jahr der Freiwilligenarbeit" deklariert hat und auch die oberösterreichische Politik diesem Thema durch viele Aktivitäten einen hohen Stellenwert einräumt.


Freiwilligenarbeit hat viele Facetten: im Sozialbereich, der Kultur, dem Sport oder im kirchlichen Bereich. Einige davon begegnen uns sehr plakativ, insbesondere im Feuerwehr- und Rettungswesen sowie im Sport und karitativen Bereichen. Von der großen Öffentlichkeit aber eher unbemerkt wirken 10.000 Ehrenamtliche in Oberösterreich in einem der wichtigsten Bereiche der Daseinsvorsorge, im Bereich der Trinkwasserversorgung und in der Abwasserentsorgung.


Der Zentralraum, aber auch die größeren Bezirksstädte verfügen über eine umfassende hochwertige wasserwirtschaftliche Infrastruktur. Im ländlichen Lebensraum und in den wirtschaftlichen Ungunstlagen sind es die über 1.600 Wassergenossenschaften, die als tragende Säule unseres funktionierenden Gemeinwesens, für über 200.000 BürgerInnen in Oberösterreich die wasserwirtschaftliche Grundversorgung wahrnehmen, aber auch Belange von Bewässerungs- und Entwässerungsanlagen in der Landwirtschaft besorgen.


Ohne ihr Wirken wäre die Wohn- und Lebensqualität in weiten Bereichen unseres Landes um vieles eingeschränkt, würde auch jegliche Entwicklung von Siedlungs- und Wirtschaftsgebieten sowie die touristische Nutzung als Natur- und Erholungsraum erschwert. Die Bindung der Raumentwicklung an die unmittelbare Verfügbarkeit von wasserwirtschaftlichen Strukturen ist gegeben und von größter Bedeutung.


Insbesondere im Hinblick auf die steigende Anzahl der Abgangsgemeinden und der auch damit verbundenen Belastungen des Landeshaushaltes bietet die Eigeninitiative von BürgerInnen, die „Sache selber in die Hand“ zu nehmen, oftmals die einzige Lösungsmöglichkeit und Alternative. Und das Potential ist riesengroß, wenn man ua berücksichtigt, dass in Oberösterreich auch noch an die 90.000 Hausbrunnen und Einzelwasserversorgungen existieren, wovon ein erheblicher Teil in hygienischer Hinsicht gefährdet oder zukünftig bedroht erscheint.
Vor diesem Hintergrund stellt sich gerade im Jahr der „Freiwilligenarbeit“ die existentielle Frage der Nachfolge im Ehrenamt für unsere Wassergenossenschaften:


Zukunft der Funktionäre? Haben ehrenamtliche Funktionäre noch eine Zukunft?
Unter diesem Titel haben wir für die „OÖ WASSERstammtische 2011“ einen Beitrag gestaltet. Und wir liegen mit diesem Thema unbedingt richtig!
Teilnehmeranzahl und eingehende Diskussionen zum Thema bestätigen, dass es alle Genossenschaften mehr oder weniger tief berührt.
Die Stimmung bei den Genossenschaften ist gut und alle sind sich ihres Wertes und Beitrages, entsprechend der eingangs festgestellten Wirkung, bewusst! Generell positiv festzustellen ist, dass das Ehrenamt an sich nicht in Frage gestellt wird, dass die Nachwuchsfrage, mancherorts etwas schwieriger aber derzeit doch zu lösen ist.
Aber genauso bestimmt ist den Wortmeldungen und Debatten zu entnehmen, dass die Funktionäre auf die Unterstützung des Landes durch die OÖ WASSER Beratungsstelle bauen und angewiesen sind. Es bedarf, wie im Feuerwehr- und Rettungswesen, wie in allen ehrenamtlichen Organisationen, auch in wasserwirtschaftlichen Belangen Impulse und Unterstützung durch eine übergeordnete Vertretung. Ohne Vertrauen auf diese Fürsorge durch die öffentliche Hand würde die Ausübung des Ehrenamtes, insbesondere die Nachfolge in den Funktionen auf eine harte Probe gestellt. Zerfallserscheinungen bei den Wassergenossenschaften wären, wie den Aussagen vieler Funktionäre zu entnehmen ist, eine unabdingbare Folge. Wobei davon auszugehen ist, dass dies nicht schlagartig geschehen, sondern sich eher als mittelfristige Erosion ausprägen wird.


Da die Unterhaltung der OÖ WASSER Beratungsstelle aus Mittel des Landes Oberösterreich derzeit, wie auch viele andere Bereiche im Rahmen des Reformpaketes auf dem Prüfstand steht, ist aus Sicht der Wassergenossenschaften an die politischen Verantwortlichen zu appellieren, die Beratungsstelle nicht nur betriebswirtschaftlichen Erfordernissen des Amtes zu unterwerfen, sondern auch volkswirtschaftliche Aspekte gelten zu lassen und die Bedeutung funktionierender Wassergenossenschaften für den ländlichen Raum zu würdigen. Erbringen doch die Ehrenamtlichen in diesem Wege an die 1.500.000 Stunden für die Wasserwirtschaft. Kann und will das Land Oberösterreich auf diese Leistungen verzichten?
Oberstes Ziel für den OÖ WASSER Genossenschaftsverband und die vertretenen Genossenschaften ist es daher, diese zentrale Anlaufstelle als die wesentliche Existenzsicherung für die Wassergenossenschaften zu erhalten. Besonders auch als die zurzeit einzige Kompetenzstelle, in der das Wissen um kleinräumige Strukturen gebündelt ist und die als einzige Institution das uneingeschränkte Vertrauen der Betroffenen besitzt!
Es wäre paradox, wenn ausgerechnet im deklarierten Jahr der Ehrenamtlichkeit den Wassergenossenschaften der Boden unter den Füßen weggezogen oder anders ausgedrückt, 200.000 BürgerInnen der (Wasser)Hahn zugedreht werden würde.


Nur mit Hilfe durch die OÖ WASSER Beratungsstelle können wir unseren ehrenamtlichen, freiwilligen Einsatz weiterhin der Bevölkerung (und der Politik) zur Verfügung stellen.
Nur mit entsprechender Unterstützung haben ehrenamtliche Funktionäre eine Zukunft!


Trotzdem mit viel Zuversicht und Vertrauen auf das gemeinsame Bemühen aller, die in den Wassergenossenschaften arbeiten, verbleibe ich
mit genossenschaftlichen Grüßen
Konsulent Werner Sams
Obmann OÖ Wasser
 



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