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OÖ WASSER Nachrichten

 

17.12.09 00:00

Wasserfilter lohnen sich für Gourmets, tragen aber nicht zur Verbesserung der Wasserqualität bei


Kokain, Hormone, Antibiotika, Schwermetalle und Pflanzenschutzmittel – immer wieder liest man in der Zeitung von unliebsamen Rückständen in Flüssen und sogar im Grundwasser. Da stellt sich so mancher Verbraucher die Frage, ob aus dem Wasserhahn tatsächlich noch unbelastetes Trinkwasser kommt. Diese Unsicherheit beschert einer Branche einen deutlichen Aufschwung: den Herstellern von Wasserfiltern. Aktivkohlefilter, Umkehrosmoseanlagen, Ionenaustauscher und viele mehr stehen zur Auswahl. Aber sind sie auch sinnvoll? Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in Bonn hat darauf eine klare Antwort: „Aus ernährungsphysiologischer Sicht sind Wasserfilter nicht notwendig, sondern Geldmacherei.“

Trinkwasser sei nach wie vor eines der am besten kontrollierten Lebensmittel, das man bedenkenlos ohne weitere Aufbereitung trinken könne: „Zumindest wird es in dieser Qualität bis zum Hausanschluss geliefert. Ab dort ist der Hausbesitzer zuständig“, erklärt die Ernährungswissenschaftlerin. Sollte das Wasser tatsächlich einmal eine seltsame Färbung haben oder schlecht riechen, sei dieser daher neben dem örtlichen Wasserversorger der erste Ansprechpartner.

Aus Sicht der Expertin lauert die Gefahr von Keimen jedoch nur in seltenen Fällen im Trinkwasser. „Viel größer ist das Risiko, dass die Filter selbst zur Brutstätte von Krankheitserregern werden. Die Kartuschen müssen daher unbedingt regelmäßig getauscht werden.“

Wasserfilter haben aus Sicht der Expertin eher aus geschmacklichen Gründen eine Berechtigung – dann nämlich, wenn man ein Tee- oder Kaffeeliebhaber mit besonders feinen Geschmacksnerven oder hohem ästhetischen Anspruch ist. „In Gegenden, wo das Grundwasser sehr hart, also besonders kalkhaltig ist, kann ein Wasserfilter den Geschmack des Getränks verbessern und verhindern, dass es fade oder bitter schmeckt und sich Schlieren auf der Oberfläche bilden."

Übrigens: Sogenanntes „levitiertes Wasser“ herzustellen, in dem angeblich die Struktur der Wassermoleküle verändert wird, ist wissenschaftlich betrachtet nicht möglich. Einen positiven Effekt erzielt hier höchstens der feste Glauben an die Wirkung.


ddp/wissenschaft.de – Mascha Schacht

 

 

Warum Keime Wasserfilter auch besser machen können

Biofilme in alten Systemen vernichten üble Geruchsstoffe

Bakterien können die Reinigungskraft von großtechnischen Wasserfiltern verbessern. Sie arbeiten dabei umso wirkungsvoller, je älter die Filtermaterialien aus Sand sind. Das haben australische Forscher um Bridget McDowall von der Universität in Adelaide in Laborversuchen gezeigt. Die Forscher richteten in ihren Labortests ihr Augenmerk besonders auf zwei Geruchs- und Geschmacksstoffe, die dem Wasser einen erdigen, üblen Geruch verleihen, obwohl sie für den Trinkwassergenuss unbedenklich sind. Verblüffenderweise zeigt der Sand aus einem 26 Jahre alten Trinkwasserfilter das beste Reinigungsergebnis.

Mit natürlicher Ünterstützung können Sandfilter erdigen Geruch aus Wasser entfernen.

Die Forscher füllten im Labor verschiedene Filtersäulen mit Sandproben. Sie wollten untersuchen, wie die zwei Stoffe Geosmin und Methylisoborneol zurückgehalten werden. Beide sind häufig für einen erdigen Geruch verantwortlich. Eine Materialprobe entnahmen sie einem 26 Jahre alten Sandfilter aus einer Trinkwasseraufbereitungsanlage und ließen aufzubereitendes Trinkwasser hindurchströmen. Die Kontaktzeit des Trinkwassers mit den Filtermaterialien betrug rund 15 Minuten. Nach elf Betriebstagen sank die Menge der Geruchsstoffe unter die Nachweisgrenze. Im Vergleich dazu reduzierte frischer Filtersand selbst nach 150 Betriebstagen den Stoff Geosmin nur um sechzig Prozent und Methylisoborneol nur um vierzig Prozent.

Die Forscher führen den Reinigungseffekt darauf zurück, dass sich im Filtermaterial Bakterienkolonien, sogenannte Biofilme, ausbilden, die die organischen Substanzen zersetzen und aufnehmen. Da die ältesten Filtermaterialien die höchste Filtereffizienz besitzen, muss sich die richtige Bakterienpopulation sehr langsam entwickeln, schätzen die Forscher. Sie wollen herausfinden, wie dieser Prozess beschleunigt werden kann, um aus frischem Sand möglichst schnell effiziente Filtermaterialien herzustellen.

Bridget McDowall (Universität in Adelaide) et al.: International Journal of Environment and Waste Management, Bd. 1, S. 311



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