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OÖ WASSER Nachrichten

 

03.04.09 00:00

Risikoabschätzung Bentazon

Stellungnahme der AGES (Österr. Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit)

Frage:
Sehr geehrte Damen und Herren!
In den letzten Tagen wurde vermehrt der überhöhte Bentazonwert im Bereich des Grundwasserkörpers "Unteres Ennstal" erwähnt. Die Verunsicherung der Hausbrunnenbesitzer ist groß. Seitens der Stadtgemeinde Enns wird ersucht folgende Frage zu beantworten:
Ist der Genuss von Grundwasser mit einem Bentazongehalt von 0,0004 mg/l für Säuglinge, Kinder und Erwachsene in irgendeiner Form gesundheitsbeeinträchtigend bzw. gesundheitsgefährdend?

Antwort AGES:
Bentazon ist ein Herbizid.
Es existiert ein ADI-Wert (akzeptierbare tägliche Aufnahmemenge) von 0,1 mg/kg Körpergewicht und Tag (Europäische Kommission 2000)

Der von Ihnen angeführte Wert von 0,0004 mg/l entsprechend 0,4 µg/l ist höher als der in der Trinkwasserverordnung geregelte Wert von 0,1 µg/l.

Unter Heranziehung einer hohen Aufnahmemenge von 2 l Trinkwasser ergibt sich für ein Kind mit 20 kg eine Exposition von 0,8 µg/Person und Tag bzw. 0,04 µg/kg Körpergewicht und Tag.
Selbst für einen Säugling (ca. 6 kg, 650 g Trinkwasser in Formula-Nahrung) ergibt sich eine Exposition von 0,26 µg/Person und Tag bzw. ca,. 0,04 µg/kg Körpergewicht uns Tag.
Dies entspricht einer Auslastung des ADI-Wertes von 0,04 % und liegt damit deutlich unter 1 %.

Ein gesundheitliches Risiko lässt sich davon nicht ableiten.
Nichtsdestotrotz sollte die Ursache für das Auftreten von Bentazon abgeklärt werden.

Ich hoffe mit den Aussagen geholfen zu haben.

mit freundlichen Grüßen,

Roland Grossgut

Dipl.Ing.Dr. Roland GROSSGUT
AGES
Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH
Bereich Daten - Statistik - Risikobewertung
Spargelfeldstrasse 191
A-1226 Wien

Tel. national: 050 555-25700
Tel. international: +43 50 555-25700
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roland.grossgut@ages.at
http://www.ages.at

 

Interview mit Dr. Edstadler (Abt. Gesundheit, Amt der Oö. Landesregierung)

(Artikel vom 1. April 2009 in den OÖ Nachrichten)

 

„Wie gefährlich ist das Pflanzenschutzmittel Bentazon im Trinkwasser nun wirklich?“ Diese Frage stellen sich viele, nachdem die Stadt Enns ihre Wasserversorgung wegen Grenzwertüberschreitungen auf die Linz AG umgestellt hat. Die OÖN haben mit dem Umweltmediziner Thomas Edt-stadler von der Landessanitätsdirektion gesprochen.

OÖN: Herr Dr. Edtstadler, welche gesundheitlichen Auswirkungen hat Bentazon im Ausmaß von 0,1 Mikrogramm pro Liter Trinkwasser (Grenzwert nach EU-Verordnung) auf den Menschen?

Edtstadler: Wenn Bentazon in dieser geringen Menge im Wasser vorhanden ist, gibt es keine beeinträchtigenden Auswirkungen auf die Gesundheit.

OÖN: Hat die Stadt Enns demnach übertrieben reagiert, indem sie die gesamte Wasserversorgung auf die Linz AG umgestellt hat?

Edtstadler: Nein, keineswegs. Die Brunnensperre war richtig, weil der EU-Grenzwert für Bentazon, wie für alle Pestizide, bei 0,1 Mikrogramm pro Liter Wasser festgelegt ist. Bei dieser Verordnung geht es um vorbeugenden Gesundheitsschutz, nicht darum, Menschen vor einem unmittelbaren Risiko zu bewahren. Der Sicherheitspolster wird bewusst hoch gehalten. Der zweite Grundgedanke hinter den Grenzwertbestimmungen zielt auf ökologische und umwelthygienische Werte ab. Man will, dass Wasser und Luft generell so wenig, wie nur möglich, mit Schadstoffen belastet werden.

OÖN: Kennt man die Auswirkungen von höher konzentriertem Bentazon im Trinkwasser?

Edtstadler: Die WHO (Weltgesundheitsorganisation, Anm. d. Red.) hat Tierversuche durchgeführt und den Grenzwert daraufhin mit 300 Mikrogramm Bentazon pro Liter festgelegt. Bei den Versuchstieren wurden ab dieser Menge Veränderungen bei der Blutgerinnung festgestellt. In Bezug auf Menschen gibt es kaum Daten. Man weiß aber, wie sich das Pflanzenschutzmittel bei der direkten Anwendung auswirkt. Wenn keine Schutzbrille verwendet wird, kommt es zu Augenreizungen. Wird Bentazon inhalativ aufgenommen, also eingeatmet, dann entstehen Lungenreizungen.

OÖN: Würden Sie das Ennser Wasser trinken?

Edtstadler: Ja, ich hätte kein Problem damit, weil die Menge des nachgewiesenen Bentazons sehr gering ist. Aber das ist meine ganz persönliche Beurteilung.

OÖN: Und was würden Sie Landwirten raten, die Trinkwasser mit 0,1 Mikrogramm Bentazon-Verunreinigung im Brunnen haben?

Edtstadler: Ich würde ihnen zum einen die Hintergründe des EU-Grenzwertes von 0,1 Mikrogramm Bentazon pro Liter erklären. Zum anderen würde ich den Landwirten auch den Grenzwert der WHO erläutern. Jeder soll gut informiert sein und dann selbst entscheiden, ob er sein Brunnenwasser trinken will oder nicht. Ein unmittelbares Gesundheitsrisiko ist in Enns derzeit nicht gegeben.




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