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OÖ WASSER Nachrichten

 

15.12.08 00:00

„Wasserverbrauch immer teurer“
„Gebührenstopp“
„Wasser-Mindestgebühr sorgt für Ärger“
„Fehler im System bei den Wassergebühren“
„Wasser ist viel zu teuer“
 
Kaum eine Woche vergeht, in der man nicht in irgendeinem Medium diese Schlagzeilen liest oder hört.
In Anbetracht der momentan von der Bevölkerung empfundenen Teuerungswelle entwickelt sich das Thema zum Dauerbrenner. In Zeiten, wo für manche Bevölkerungsschichten die „Gebühren“ zu einer echten Belastung werden, kommt das immer gut an.
In den Beiträgen und Kommentaren wird oftmals nicht unterschieden, ob es sich um die Kosten für die Versorgung mit sauberem, einwandfreiem Trinkwasser und/oder um die Kosten für die Entsorgung des Abwassers handelt. Es wird vom Wasserpreis gesprochen. Natürlich verschmelzen bei den kommunalen Versorgern die Kosten für das Wasser und das Abwasser, aber erfahrungsgemäß sind es die Abwassergebühren, die den Löwenanteil ausmachen. Von den Kosten für einen Kubikmeter Wasser entfallen oft nur 10 bis 20% auf die Wasserversorgung, der Hauptanteil ist für die Entsorgung unseres Abwassers zu berappen.
Aber jetzt unabhängig von Ver- oder Entsorgung, besonders ins Schussfeld sind die vielerorts verrechneten Mindest- oder Grundgebühren geraten und werden auf das heftigste diskutiert.
Ich halte diese Diskussion durchaus für zulässig, in einigen Kommunen möglicherweise sogar für notwendig, aber die Tendenz der Meldungen/Berichte/Leserbriefe bezüglich der Mindestgebühren/Grundgebühren geht in die falsche Richtung. Hier tut Aufklärung Not! Man kann und sollte über die Höhe einer Grundgebühr und deren Kalkulation reden, jedoch ist es eine Tatsache:
75 % bis 90 % der anfallenden Kosten in der Wasserversorgung sind fix und völlig unabhängig vom Verbrauch.
 
Und die Fixkosten (oder wesentliche Teile davon) sind eben gerechterweise mit einem Fixbeitrag, einer Grundgebühr, abzudecken.
Nehmen wir einmal die immer wieder zitierten Zweitwohnungen. Naturgemäß ist dort der Wasserverbrauch sehr niedrig, oftmals unter den verrechneten „Mindestmengen“. Aber setzt nicht auch diese Konsumentengruppe es als selbstverständlich voraus, dass nach der Anreise vielleicht am Heiligen Abend der Hahn aufgedreht wird und Wasser während des Weihnachtsurlaubes entnommen werden kann? Während der Semesterferien, zu Ostern oder in den Sommerferien wiederholt sich das Spiel.
Das Versorgungsunternehmen, sei es die Kommune, sei es eine Genossenschaft, muss aber die Kapazitäten während des ganzen Jahres dafür bereithalten. Es muss die nötige Wassermenge verfügbar sein, es muss die Speichergröße danach ausgerichtet sein, es müssen die Leitungen entsprechend dimensioniert sein. Die gesamte Infrastruktur muss vorhanden sein, muss eingerichtet und betreut, sowie qualitätsgesichert werden.
Gleiches gilt, wenn für unbebaute Grundstücke ein Anschluss erworben wurde. Jederzeit kann der Eigentümer die Herstellung und die Inbetriebnahme des Wasseranschlusses verlangen. Das Versorgungsunternehmen muss dann quasi auf Knopfdruck das Wasser bereitstellen. Soll die Masse der Wasserbezieher über einen höheren Kubikmeterpreis diese Bereitstellungskosten für diese Minimalbezieher finanzieren? Wäre das gerecht?
Man kann die Notwendigkeit einer Mindestgebühr zur Deckung der fixen Kosten sachlich sehr gut argumentieren und trotzdem auf kein Verständnis treffen.
Aber sind die Wasserversorger (und auch die Abwasserentsorger) teilweise nicht selbst schuld an diesen Fehlinterpretationen?
Ich halte es grundsätzlich für falsch von einer MINDESTGEBÜHR zu sprechen.
Selbstverständlich wird von diesem Begriff abgeleitet, dass eine Mindestmenge zu verbrauchen ist und dagegen ist natürlich mit dem Spargedanken leicht zu argumentieren. Gleichgültig, ob ein geringerer Verbrauch aus einem ehrlichen Sparwillen oder aus den gegebenen Umständen (z.B. Zweitwohnsitzen = nicht benötigt) resultiert.
Es ist hoch an der Zeit, dass zukünftig solche Begriffe durch positiv zu argumentierende Definitionen, wie z.B. Bereitstellungsgebühr oder noch besser Bereitstellungsbeitrag, zu ersetzen.
Mindestgebühr
ich werde angehalten zum Mehrverbrauch; ich werde bestraft, weil ich sparsam war,...
Grundgebühr
aus welchem Grund zahle ich diese für was?
Bereitstellungsbeitrag
aha, da stellt jemand etwas bereit für mich,... da tut jemand etwas für mich... ich trage mit meinen Beitrag dazu bei, dass Wasser immer für mich bereit steht...

Ein Bereitstellungsbeitrag ließe sich wesentlich besser und glaubwürdiger argumentieren, als eine - negativ besetzte - Mindestgebühr. Dazu gehört auch, dass der Bereitstellungsbeitrag nicht an einer Mindestmenge aufgehängt wird, sondern vom Verbrauch losgelöst betraglich fixiert wird. Kalkulatorisch kann ja dazu im Hintergrund eine bestimmte Wassermenge als Gegenwert dienen, wenn es die Ermittlung der Höhe erleichtert. Zur Förderung des Spargedankens gehört hier auch, dass der verbrauchsabhängige Wasserpreis, die Wasserbezugsgebühr, vom ersten entnommenen Kubikmeter an gilt.
Die betriebswirtschaftlichen Erfordernisse, welche das tatsächliche Verhältnis des verbrauchsunabhängigen und verbrauchsabhängigen Aufwandes in der Tarifgestaltung widerspiegelt, müssen in der Praxis durch lenkungspolitische Ausprägungen ergänzt werden. Meist würde der verbrauchsabhängige Kubikmeterpreis zu niedrig werden und jeglicher Anreiz zum Haushalten beim Wasserverbrauch verloren gehen.
Zum Beispiel würde ein tropfender Wasserhahn oder ein "rinnender" Spülkasten nicht oder zu spät repariert.
 
Weiters zu beachten ist auch, dass der Vergleich von Wasserpreisen insofern schwierig und teilweise unzulässig ist, weil auch noch die im Wasserpreis enthaltenen sonstigen Leistungen des Wasserversorgers berücksichtigt werden müssen. Als Beispiel seien hier die Instandhaltungskosten für die Hauszuleitung genannt. In einem Fall trägt der Wasserversorger die Kosten für die Instandhaltung bis zum Wasserzähler im Haus, d.h. für die gesamte Zuleitung, in anderen Fällen ist für die Instandhaltung vom Straßenventil oder vom Abgang von der Versorgungsleitung alleine der Liegenschaftseigentümer zuständig. Hier gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Regelungen.
Diskussion ja, in Frage stellen ja, aber die richtigen Fragen stellen!
 
Grundsätzlich muss die Kalkulation des Wasserpreises, des Tarifmodells, für den Konsumenten transparent darstellbar und nachvollziehbar sein. Jeder sollte sich aber nicht nur seine Zahlen anschauen, sondern auch sein Regelwerk bezüglich der Benennungen und der Berechnungsmethoden durchforsten.
Bei den Wassergenossenschaften halten sich die Diskussionen möglicherweise derzeit noch deshalb im Rahmen, weil die Mitglieder, das heißt die Konsumenten, die Tarifgestaltung selber bestimmen können. Selber bestimmen heißt aber auch die Verantwortung für die wirtschaftliche Situation selber zu tragen und den Bestand der Wassergenossenschaft durch eine vernünftige, den Bedürfnissen der Mitglieder gerecht werdende Tarifgestaltung zu sichern. In diesem Sinne verbleibe ich
mit genossenschaftlichen Grüßen
 
Werner Sams
Obmann OÖ WASSER
    

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